Kuriose Übersetzungen und die Illusion der perfekten Sprachverwendung

Als ich vor einigen Wochen nach Flügen suchte und daraufhin die Sparschiene buchte, schlug mir die Suchmaschine eine – ihr zufolge häufige – Frage vor: Welcher Flughafen fliegt direkt nach Phuket? Ungläubig, was auf inhaltlicher Ebene hier passiert war, frage ich mich: Fliegen Flughäfen nach Thailand? Vielleicht eine Idee für Science-Fiction. Flughäfen lösen sich von der Erde und fliegen Multi-Stopp nach Thailand.

Dann doch lieber zu Fuß. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber wenn ich, den inneren Schweinehund überwindend an meine Gesundheit denkend, bei der derzeitigen Kälte den Weg zu Fuß gehe (und wegen meines nicht vorhandenen Orientierungssinns oft Maps verwende), ärgere ich mich jedes Mal, wenn dann am Ziel angekommen „Fahrt beenden?“ vorgeschlagen wird. Was für eine Fahrt?

Da wir dennoch alle genau verstehen, was gemeint ist, geben wir uns seufzend zufrieden. Praktisch, diese smarten Stadtpläne. Sprachlich ein Schmarren, aber wir fangen an, uns daran zu gewöhnen, Dinge zu überlesen und zu überhören. Dinge, die im Prinzip einfach abgeändert werden könnten.

Routenplanung früher (Pexels)

Ein ähnliches Beispiel ist die Tastatur des gemeinen Fußvolks, also jener Menschen, die nicht in Besitz eines iPhone(s) sind. Die Standardversion bietet im Deutschen keine Redezeichen unten. Ätsch. Wozu auch? Die oberen tun es ja auch. Ist zwar falsch, aber seit Jahren wird das Redezeichen unten als Sonderzeichen behandelt. Allesamt nervige Lösungen wären da: Zwei Kommata hintereinander – Schriftsetzende laufen schreiend aus dem Haus –, die Redezeichen als Sonderzeichen einfügen – jede geschriebene Nachricht zu verfassen dauert dann so lange wie manche Podcast-Sprachnachrichten unserer Lieben – oder eine zusätzliche Tastatur-Applikation installieren – mit zwei Euro wahrscheinlich die günstigere Option verglichen mit Option vier, dem iPhone-Kauf.

Hilfe in der Fremdsprache – auch wir halluzinieren gerne

Sehr erfreulich finde ich andererseits die kürzlich entdeckte Funktion, dass mir, wenn ich einen Text auf Englisch oder Italienisch lese und ein Wort anklicke, ein kurzer Wörterbucheintrag mit Synonymen in dieser Sprache vorgeschlagen wird – anstatt einer Übersetzung. So eine Funktion hätte ich auch gerne in fremdsprachigen Büchern, wenn ich einerseits gerne im am besten einsprachigen Wörterbuch nachsehen würde, was das Wort eigentlich genau bedeutet, andererseits einfach weiterlesen und nicht danach die Zeile wieder suchen möchte. Dann besteht meist eine 50/50-Chance, ob ich es aus dem Kontext heraus doch verstehe oder eben irgendetwas anderes halluziniere.

Korrigiere ich Übersetzungen der KI, so finde ich keine Rechtschreibfehler und so gut wie keine Grammatikfehler mehr. Irgendwie angenehm. Ich vermisse sie trotzdem beinahe, sie haben so etwas – ja, Menschliches – an sich. Inhaltlich gibt es hingegen durch das falsch „Verstandene“ (von Verstehen kann hier keine Rede sein) oft Dinge, die korrigiert werden müssen. Gibt es eigentlich schon ein Verbot, Literatur maschinell zu übersetzen? Wie oberflächlich und kulturell reduziert muss ein Text sein, um „universell“ verstanden zu werden? Das gelingt nicht einmal mit einem einzigen Wort. Von diesem Anspruch sollte man absehen, das Konzept der Unübersetzbarkeit immer im Hinterkopf behalten.

Reden wir darüber

Anders sieht es mit der Fehlerkultur bei der mündlichen Sprachverwendung aus. Im Alltag hört man täglich Dialekte, Akzente, individuelle Sprechweisen (die nuschelt, der schreit) und auch Fehler, jedenfalls keinen Einheitsporridge. Und das tut gut. Es ist unaufgefordert auch nicht notwendig, andere erwachsene Menschen auszubessern. Fehler oder Irrtümer sind Teil der Kommunikation, unvermeidbar und oft sehr kreativ.

Wer bei der Gelegenheit, mit einer Person nebenan beim Abendessen im Urlaubsland zu plaudern, lieber unnatürliche Sprache sucht und zehn Minuten mit der Lern-App spielt, verpasst etwas. Die Apps können als Trainer (ganz nach der pattern drill-Methode vor sechzig Jahren, bei der Lernen durch ständiges Wiederholen erfolgt) und als kleines Extra unterhaltsam und praktisch sein. Aber keinen Ersatz für Kommunikation bieten. Wie wäre es stattdessen mit „Hallo, wie geht’s?“ und „Ich will das, was sie hatte“, mit vielleicht zwei Fehlern und einem Lächeln.

Ich wünsche einen angenehmen Dezember mit vielen Spaziergängen ganz ohne Apps. Denn das Verirren ist dann doch oft das Beste daran. 

Sprachliche Kreativität nicht nur beim Friseur – Sprachspielerei zwischen Witz und Wahnsinn

Denglisch, Apostrophe & Werbeslogans: Sprachspaß oder Sprachsünde?

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Wie fühlen Sie sich, wenn Sie Sätze wie „Früher ist alles besser“, als Aufforderung, früh zu buchen, lesen? Oder „Gutes Morgen“ – unser Supermarkt ist gut für das Morgen. Dann gibt es noch dialektal angespielt „Des hot was!“, vom gleichen Anbieter, nur mit Telefonie. Etwas in mir sträubt sich, schön ist anders. Bedeutung hat in der Werbung das Einprägsame. Das erinnert an Friseursalons namens Ali Barber und Fortschnitt.

Bei Geschäftsnamen mit dem eigenen Namen, wie Birgit’s Haarstudio, ist – zum Unmut einiger – der Apostroph nun erlaubt. Der deutsche Rechtschreibrat, der übrigens ein sehr praktisches Online-Regelwerk mit allen Neuerungen, wie derzeit speziell der Zeichensetzung, bietet, hat sich ergeben. Die roten Kugelschreiber sind ihm ausgegangen. Die bis vor wenigen Monaten noch als falsch geltende Schreibweise ist allerdings keine neue „Rechtschreibsünde“. Wenn man aufmerksam durch die Straßen Österreichs spaziert, findet man Schilder bereits aus anno dazumal mit Namen und Apostroph.

Manche Produktnamen und Werbeslogans gehören bereits zu unserem festen Wortschatz, im Idealfall sogar mit dem Liedchen oder der richtigen Betonung im Singsang. Je nach Generation bleiben Werbesprüche und die dazugehörigen Bilder hängen, bei mir besonders jener „Die Frisur hält – bei jedem Wetter“, für einen Haarspray und „Ist das neu?“, für das Retro-Wollwaschmittel. Dieser Sprüche kann man sich mit Menschen ungefähr gleichen Alters als Insider-Witz bedienen. Liegen viele Jahre dazwischen, funktioniert manches in der Kommunikation nicht mehr so gut.

Kürzlich meinte ein junger Anrufer bei den Sternstunden von Frau Rogers, es gebe ein „Widder-Bashing“. Ich bin mir nicht sicher, ob Bashing bereits zum Wortschatz von Frau Rogers gehört, gleichzeitig sind aber auch manche ihrer Ausdrücke wie Liaison vielleicht nicht mehr allen bekannt. Bashing ist ein Modewort und bedeutet, vor allem in Zeitungen, sehr scharfe Kritik an einer Person oder Gruppe zu üben. Das Wort kann aber im Englischen auch für einen körperlichen Angriff stehen und seine Bedeutung ist sehr stark, „jemanden nicht nur schlechtreden, sondern so richtig fertigmachen“, berichtet man mir aus LA. Meist schaffen es nur eingeschränkte Bedeutungen eines Wortes in andere Sprachen, wie auch bei Pasta asciutta, wie sie meine Großmutter nannte, oder Bolognese. Wie wir wissen, bekommen Wörter manchmal sogar eine andere Bedeutung, wie bei Public Viewing und dem Beamer, der im britischen Englisch irgendetwas mit Cricket zu tun hat, aber weder Filme noch die interaktiven Lernspiele von Kahoot projiziert. Durch die Vernetztheit und die Medien finden auch bestimmte neue Begriffe des Englischen international als Anglizismus schnell Einzug in andere Sprachen, wie brain fog, wenn man sich gerade nicht konzentrieren kann.

Doch zurück zu den verschiedenen Altersgruppen. Es geht immer noch jünger – die Kinder im Kindergarten heißen hierzulande bekannterweise Kindergartenkinder. Ein lustiges Wort. Im amerikanischen Englisch hörte ich zur Einordnung des Alters: „These kids are kindergartners.“ Diese Kinder sind Kindergartenkinder. Sehr ähnlich also, die Wortbildung, nur dass bei uns die Kindergärtner nicht die Kinder, sondern die Erwachsenen sind. Zum Glück, möchte man meinen. Sieht man sich noch ein bisschen weiter im Oxford Dictionary um, findet man erheiternde weitere Wortbildungen mit diesem Germanismus, wie z. B. kindergartenize, bereits seit 1890 in Verwendung: etwas einem Kindergarten oder seinen Methoden ähneln zu lassen. Beispiele fielen uns hierfür leider viele ein.

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Ist korrekte Sprache nur mehr mit englischen Begriffen möglich?

Neben diesen spannenden Mechanismen der Wortbildung wird vor allem mündlich und online, sprich dort, wo Mündliches verschriftlicht wird, weiterhin sehr viel gemischt. Ein „viel-gelikter“ Beitrag auf LinkedIn lautet: „Weil ich es satt habe, dass Frauen immer geshamed werden.“ Was versteht man darunter, geshamed zu werden? Gibt es das Konzept nur so? Be-shamed, also beschämt, würde mir besser gefallen, so rein grammatikalisch und ganz undenglisch. Ihre Aussage supporten wir zwar inhaltlich, sprachlich nimmt der Mischmasch aber weiterhin ein wenig überhand. Es ist schwierig, wenn faire oder korrekte Sprache nur mehr mit Begriffen aus dem Englischen glücken kann. Das schließt teilweise bei allem Anspruch der Inklusion schlussendlich Menschen aus.

Viele Unternehmen posten vermehrt täglich lange, nichtssagende Texte, die wahrscheinlich, so wie das dazugehörige Bild, von der Kathrin Irmgard, alias KI, hergestellt wurden. Rudi Rudolf applaudiert. Steffi Huber findet das wunderbar. Nicht alles muss aufgeschrieben und abgebildet werden. Aber es gibt auch erfreuliche Wortspiele: Die Wiener Linien blenden in den letzten Jahren zu verschiedenen Anlässen Anzeigen mit Wortspielen ein. Diese sind, wie viele humorvolle Durchsagen der Zugführerinnen und Zugführer der ÖBB, meiner Meinung nach meistens gut gelungen und sorgen bei vielen Menschen im stressigen Alltag für ein Lächeln.

Vieles aus dem Englischen wird mittlerweile sogar von deutschen Muttersprachlern ins Deutsche falsch rückübersetzt – eine schräge Entwicklung. Auch Christina Stürmer singt in ihrem sonst nett anzuhörenden Lied die Zeile „ein Tag im November in 2002.“ November klingt nach Nebel und ich bin froh, schon März zu haben und an den meisten Tagen, genau wie sie, nicht mehr 19 zu sein, doch zumindest sagte man 2002 noch nicht „in 2002.“

Ich wünsche einen schönen Frühlingsbeginn. Und: Welche Wortspiele finden Sie besonders nervig?

Grußformeln und Sprachnuancen in Österreich, Deutschland und Italien

Von der Marille zur Aprikose – Sprachliche Vorurteile und Gemeinsamkeiten bei meinem Besuch in „Hochdeutsch-Land“

„Servus“ begrüßt man mich vielerorts in München. Servus! Das klingt für mich vertraut und nach zu Hause, aber ich muss auch schmunzeln. Ich würde es normalerweise nur zu Leuten sagen, mit denen ich per du  bin. Für meinen Freundeskreis ist schließlich informell „Hallo“ die üblichere Begrüßung. Aus frühen Kindheitstagen erinnere ich mich an die Mutter meiner Freundin, die wütend rief: „Zum Opa sagt man nicht Hallo!“ Mein wienerisches Baba hören dafür zum Abschied nur Personen, die mir nahestehen.

Servus und Grüß Gott sowie salve in Italien sind althergebrachte Grußformeln. Anders als ciao, das seinen Einzug in viele Sprachen gefunden hat, ist salve in Italien geblieben. Die alten Römer – und Römerinnen – wünschten es einander im Sinne von Gesundheit und Wohlbefinden. Heutzutage wird es zur Begrüßung, es ist weniger kollegial als ciao, als Mittelweg zwischen formell und informell gewählt. Die jüngeren Italienerinnen und Italiener sagen „Salve prof“ zur Lehrkraft und „Salve coach/Mister“ zum Trainer im sportlichen Umfeld. Zur Verabschiedung hört man salve im Rom der heutigen Zeit eher nicht mehr.

Als ich im Süden Münchens in einem kleinen italienischen Restaurant saß und ein spätes Mittagessen zu mir nahm, lachte ein Gast über jemanden, der „Buona sera“ sagte. Woraufhin der Kellner aus Süditalien prompt richtigstellte: „Sobald Mittag vorbei ist, kann man es sagen.“ Allerdings eher im Süden Italiens, wobei es im Norden wie bei uns sprachlich an den Abend gebunden ist. Um diesen Unannehmlichkeiten und Verwirrungen der Grüße zu entgehen, gibt es in vielen Unternehmen in Österreich einfach das klassische „Mahlzeit“ den gesamten Tag über, auch dann, wenn niemand isst und es eigentlich völlig unpassend ist. Wir machen es wie die jungen Italienischsprachigen, die sich nicht zwischen formell und informell und der passenden Tageszeit entscheiden möchten.

Es war nicht immer voll nice

Wie nice etwas sei, hört man leider sowohl in Österreich als auch in Deutschland. Um die Erlebnisse mit der Deutschen Bahn während meines fast sechswöchigen Aufenthalts bei unserem Nachbarn festzuhalten, könnte man ein eigenes Buch herausbringen. Ich möchte die Worte einer Schaffnerin wiedergeben: „Entschuldigen Sie das Durcheinander. Bahnfahren ist immer spannend und für Überraschungen wird gesorgt.“

Was mich hingegen weniger erheiterte, war der Plural „Nächste Halte“. Um mich zu beruhigen, sage ich mir, dass das Wort Haltestellen einfach vom zu kurzen Display abgeschnitten wurde. Innere Schreikrämpfe lösen die von mir sonst gelobten Wiener Linien mit der Durchsage: „Nach einer Fahrtbehinderung kommt es bei der Linie XY zu unregelmäßigen Intervalle!“, aus. Intervallen. Wo ist das N? Hört das keiner der Verantwortlichen? Die Künstliche Intelligenz ist praktisch im Einsatz von Ansagen und es rauscht deutlich weniger als früher, es wird weniger genuschelt und ich verstehe, dass man nicht alles x-mal vorlesen möchte. Aber der Dativ wäre schon angebracht. Ich melde mich freiwillig, das Wort „Intervallen“ einmal hinaufzusprechen. So weit müsste sogar die KI sein, um hier eine Unterscheidung zu treffen. Mein Sprachwissenschaftsprofessor meinte dazu trocken, als ein Student mit einer Kaszettel-Bescheinigung keuchend zu spät in den Unterricht kam, die Intervalle selbst seien nicht unregelmäßig.

Deutsch und „Österreichisch“?

Mein Umfeld fragte mich neugierig nach ein paar Wochen in Deutschland, in dem ich Deutsch unterrichtete – nicht die Deutschen allerdings – wie denn die Leute in München so seien. Eine gute Frage. Als Fremde neigen wir dazu, Länder kulturell als eine Einheit sehen zu wollen, um sie zu verstehen. Wenn man allerdings Nord- und Süditaliener, aber auch Münchner, Düsseldorfer und Berliner in einen Topf wirft, verkennt man die vielen Unterschiede. Und auch innerstädtisch oder in einer gemeinsamen ländlichen Region sind wir vielfältig. Aufgrund der gemeinsamen Sprache und der deutschen Medien, die ich von klein auf konsumiere, ist es für mich schwer, konkrete Unterschiede zu „meiner Kultur“ zu benennen. Und damit wahrscheinlich auch, mich passend zu verhalten. In Portugal oder Italien betrachtete ich die dortige Welt staunend und versuchte, Teil davon zu werden. In Deutschland – und ich kann mir vorstellen, Menschen aus Deutschland in Österreich geht es ähnlich – neigt man dazu, die subtilen Unterschiede nicht so stark zu bemerken. Denn man wird (was die Wörter und Sätze betrifft) verstanden. Das Gefühl ist ein anderes, aber durch die sprachliche Nähe ist die Kultur für mich weniger greifbar, schwerer zu beschreiben. Es gibt zum Teil andere Regeln der Kommunikation, die – spricht man dieselbe oder eine sehr ähnliche Sprache – oft nicht erkannt werden, was zu Missverständnissen führen kann.

Aufgrund der Mobilität im eigenen Land ist es auch nicht mehr so, dass nur ein bestimmter Dialekt in einer Stadt gesprochen wird. Nach der Schrift, in der Standardsprache, spricht jedenfalls von Hamburg bis Wien, Ödenburg und Bozen niemand. Bis auf Deutsch-als-Fremdsprache-Lernende vielleicht. Es gibt also doch kein Hochdeutsch-Land. Die Schrift kam auch nach dem Wort, was bei diskreditierenden Aussagen über österreichische Dialekte bedacht werden sollte – diese kommen meist von Deutschlernenden, die denken, sie würden in Österreich oder in der Schweiz nicht das „ordentliche“ oder „richtige“ Deutsch lernen. „Da können wir nichts für“, meine ich dazu nur. Ärgerlich sind Artikel oder Webseiten mit Titeln wie „Übersetzung Deutsch-Österreichisch“ oder „Österreichische Wörter auf Deutsch“. Hier muss zwischen Standardsprache Deutsch Varietät Österreich, Schweiz, Deutschland und (nationale Grenzen nicht respektierenden) Dialekten unterschieden werden. Mit dem süddeutschen Raum verbindet uns jedenfalls sprachlich sehr viel.

Aprikosenkuchen oder Marillen-Datschi?

Bairisch oder bayrisch?

Schreibt jemand bairisch mit i statt y, ist nicht davon auszugehen, dass die Rechtschreibkenntnisse versagen. Sondern, dass bairisch als Dialektgruppe gemeint ist. Eine Dialektgruppe der Hochdeutschen Dialekte. Bairisch umfasst Ober- und Niederbayern, Oberpfalz, Österreich bis auf das alemannische Vorarlberg, Südtirol und einige weitere Regionen. Deshalb auch die sprachliche Nähe zu Bayern. Sehen Sie dieser Tage auch die Olympischen Spiele? Hoffentlich live und nicht entsprechend dem neuesten Marketing-Gag im „Re-Live“. Entweder etwas ist live oder nicht. Doch zurück zu den Spielen. Vor fast genau 200 Jahren setzte König Ludwig I., der ein großer Verehrer Griechenlands war, per Anordnung die Schreibweise Bayern mit dem griechischen y durch – davor hatte es mehrere Schreibweisen parallel gegeben.

Wie in diesem Standard-Artikel erklärt, in dem sich eine Studie mit den Strukturen im Englischen beschäftigt, kooperieren wir also lieber mit Menschen, die ähnliche Satzstrukturen verwenden. Das ist ein interessanter und eher unbewusster Aspekt, der über die Verwendung bestimmter Wörter hinausgeht. Die Beobachtung zeigt, dass bei Kindern und Jugendlichen Merkmale der hiesigen Aussprache und Wörter mit jenen Deutschlands bereits stark gemischt werden. Ganz einfach „Das ist Deutschland-Deutsch“ zu sagen, ist nicht immer korrekt. So wird „laufen“ für „gehen“ auch in Deutschland nicht überall synonym verwendet und die Dame in der Konditorei am Schliersee bot mir ein „Marillen-Datschi“ an, während der Supermarkt 1 km weiter Aprikosen verkaufte. Dazu kommt, dass sprachliche Einflussnahme nicht nur einseitig ist und auch in Deutschland der „Schanigarten“ konzeptuell und sprachlich immer beliebter wird.

Kürzlich las ich in der Übersetzung eines Buches „Er war etwas besserer Dinge“ – ich bezweifle, dass man guter Dinge als Redewendung steigen darf – sowie „bereiter als je zuvor.“ Ich bin jedenfalls besonders guter Dinge und bereiter als je zuvor, mich noch oft in diesem Jahr in einen Schanigarten zu setzen und ich hoffe, Ihnen geht es genauso.

Warum es sich mit den Vorsilben ausgekocht hat

Warum es sich mit den Vorsilben ausgekocht hat

Und: Wo es in Zentralamerika „Kinder“ gibt, das Wort aber etwas anderes bedeutet

Man merkt, dass man nicht mehr zu den ganz Jungen gehört, wenn nach Mitternacht nur mehr ein Möbelhaus zum Geburtstag gratuliert, welches zwei Gewürze verschenken will. Zum Geburtstag untertags wurde dann doch gratuliert. In Kurznachrichtenform vor allem. Die Besonderheit des Chats, und somit unseres derzeit meist gewählten Kommunikationsmittels, ist die Verschriftlichung des Mündlichen. Bei der verschriftlichten Mündlichkeit gelten eigene und wenige Regeln. Nicht immer zur Freude aller Beteiligten werden jetzt immer mehr Handy-Nachrichtendienste für Berufliches verwendet. Deshalb ist die legere Schreibweise mit vielen Abkürzungen, à la gg, :-), hdl, und Kleinschrift wieder zurückgegangen und hat ganzen Sätzen, Großschreibung und sogar Interpunktion Platz gemacht. Nach dem Motto: Man schreibt ja sonst nicht. Einige wenige sind an Emoji-Reihen und unmotivierten GIFs hängengeblieben. Sie haben den Absprung leider nicht geschafft.

In Frankreich wurde diese Art, verkürzt und verdreht per SMS und online zu schreiben so stark gelebt, dass Chatnachrichten einiger junger Französinnen und Franzosen aus Paris beinahe zu einer Geheimsprache und damit Thema diverser Studien wurden. Jugendsprache soll abgrenzen und Identität stiften. Sie ist jedoch blitzschnell und bis linguistische Abhandlungen geschrieben werden oder einzelne Wörter im Kabarett aufgegriffen werden, hat sie sich schon wieder verändert. „Lehrpersonen“ (statt Lehrroboter? Ich finde diese Bezeichnung unschön.) können ein Lied davon singen. Dazu kommt das Beobachter-Paradoxon in der Sprachwissenschaft. Sprich in etwa die Lehrerin (ich), die wie ein Huhn über die Schulter schaut, um den Text Zeyneps zu    kontrollieren, die sich dann doch nicht, wie sonst, mit demselben Repertoire an Wörtern mit Mathilde zu tratschen traut.

Jugendsprache ist blitzschnell

Schnell ist Sprache auch deshalb, weil unsere sich ständig verändernde Außenwelt mit ihrer Hilfe beschrieben wird. Das wurde während der Pandemie sehr deutlich. Kürzlich machte ein Kabarettist den Scherz „NMS statt MNS“ – das Publikum hatte aber bereits wieder die Abkürzung für Mund-Nasen-Schutz vergessen. Wörter und Abkürzungen nehmen sich sozusagen selbst auch wieder zurück, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Es war viele Jahre lang sinnvoll, Smartphone statt Handy zu sagen, um zwischen zwei verschiedenen Produkten zu unterscheiden. Sobald es fast keine un-smarten (also depperten?) Telefone mehr gibt, sagen wir wieder Handy zu allen Mobiltelefonen oder ergänzen „ein altes/altmodisches Handy“ zur Unterscheidung. Sprache wählt tendenziell den pragmatischen Weg der Einfachheit.

Witzig klingt in diesem Zusammenhang auch die etablierte Kurzversion (el) kinder, Mehrzahl kinders,für Kindergarten im Spanischen in Costa Rica. Der ursprünglich im Deutschen wichtigere zweite Teil des Wortes, Garten, ging verloren. Wie auch in Panama, wo ein Lebensmittelgeschäft nach dem anderen Mini Super heißt und das Wort Markt nicht mehr vorkommt. Mini Super ist auch eine nette Größenbezeichnung.

Leider kein Teil der modernen Jugendsprache ist das „Auskochen“. Erinnert uns ein wenig an „ausrauchen“ – „Ich rauch noch schnell aus!“ Die Zigarette fertig, ist gemeint. Doch die deutschen Vorsilben, unsere Spezialität des (Sprach-)Hauses, sind äußerst vielseitig, für Lernende verwirrend und produktiv. So bedeutete „Auskochen“ umgangssprachlich das, was wir heute als „Take-away“ bezeichnen. Gasthäuser kochten „aus“, man erhielt etwas Frischgekochtes zum Mitnehmen. „Ausschenken“ ist noch geläufig. Bei „Auskochen“ wird heutzutage an „Babyflasche auskochen“, also von Keimen befreien, oder „Gemüse auskochen“, etwa zur Suppengewinnung, gedacht. Dann gibt es noch das „ausgekochte Schlitzohr“. Denkbar, wenn auch ungewöhnlich, wäre auch „Ich will nur noch kurz auskochen“, im Sinne von „fertigkochen“. Ähnlich verwenden wir „aufessen“ – „Isst du das noch auf?“ Das wird meistens gefragt, wenn sich der Fragende die Knödel oder Gyoza einverleiben möchte. Dialektal wird es zu „zsammessen“. „Iss zsamm!“ fühlt sich bereits anders an. Im Augarten und Prater hörten Kinder auf dem Spielplatz auch immer wieder die Drohung „Ich hau‘ dich zsamm!“. Die lieben Kleinen heutzutage sagen das wahrscheinlich noch genauso oft und filmen es noch dazu – aber auf Hochdeutsch. So erzählte im Fernsehinterview auch der junge Schauspieler des Films Rickerl, nicht alles zu verstehen, was Voodoo Jürgens in seiner Rolle im Dialekt zu ihm sagte. Der allergrößte Teil der Eltern aus Wien und Umgebung sprechen seit den 80er Jahren mit den Kindern nicht mehr im Dialekt.

Apropos Vorsilben: Die Trainerin hieß früher noch Vorturnerin. Man denke an die Videokassetten und Fernsehprogramme, bei denen vorgeturnt wird und die Zuseher dann das Ganze bestmöglich nachturnen. Bis es sich schließlich ausgeturnt hat.

Wie im Sportunterricht der 80er-Jahre, bei dem nicht alle mitturnen wollten, könnte man für bestimmte Vergehen zur Strafe „Liegestütze – bis du weinst“ einführen. Ich plädiere dafür bei jedem Mal „tatsächlich“, gesagt oder geschrieben. In fact mag ja praktisch sein, um im Englischen einen Satz einzuleiten. Doch nicht einmal im 17. Jahrhundert wurde wortwörtlich übersetzt. „Tatsächlich“ nimmt überhand und wird den Möglichkeiten des Deutschen bei Weitem nicht gerecht. Auf etwas zuvor Geschriebenes verweisen wir in diesem Fall anders, und zwar auf so viele interessante und unterschiedliche Arten, wie „wirklich“, „und zwar“, „sage und schreibe“, „genau genommen“, „in Wahrheit“, „in Wirklichkeit“, „eigentlich“, „viel mehr“, „ehrlich gesagt“ usw., je nach sprachlichem Kontext und Inhalt.  Mein betreuender Professor strich mir übrigens auch „Fakt ist“ bei meiner Abschlussarbeit an. Er hatte recht – was ist schon Fakt? Infatti, könnte man mir jetzt in Italien beipflichten.

Uroma oder die ur Oma?

Kein solches Präfix ist das Wörtchen „ur“, oft gehört in Ostösterreich. Eine große Zeitung schrieb vor einigen Wochen online: „Ur-Oma lernt mit 97 Lesen und Schreiben.“ Ist das ein Sprachwitz? „Die ur Oma!“ Oder unbeabsichtigt falsch mit Bindestrich geschrieben? Man kann ja nie wissen.

Von dem vielen Gerede über Sport habe ich Hunger bekommen und frage nun beim nächsten Restaurant nach, ob sie auskochen. Ich wünsche einen schönen Tag. Und: Lesen wir unsere Bücher aus.

Gute Vorsätze

Gute Vorsätze

Wie auf Portugiesisch eine Kleinigkeit bestellt wird – oder auf Denglisch geteilt wird

Die Weihnachtszeit ist wieder vorbei. Wie haben Sie auf Geschenke reagiert? Haben Sie das Kochbuch (nach dem Motto „Du kannst das besser“) oder das bereits verpackte Drogerie-Geschenkset mit 384 Duftstoffen, auf die Sie fast alle allergisch reagieren, schon erwartet? Hier ein Tipp: Wenn Sie die Enttäuschung überspielen wollen, rufen Sie ganz einfach „Das hätte ich jetzt nicht expected (erwartet)!“ – kürzlich von einer Anfang-20-Jährigen in der Straßenbahn vernommen. Es passt perfekt zu „Da muass i imma no resist’n“ (widerstehen). Im Dialekt wird die Sache leider auch nicht besser, es geht uns aber bei den Keksen fast allen so.

Weitere sehr beliebte Anglizismen, die ­­– schreiend – ohne Vorwarnung in deutsche Sätze geworfen werden, sind momentan struggles und daraus gebildet struggeln/strugglen (etwa im Sinne von kämpfen) sowie „Was war dein Learning dieses Jahr?“ Nichts gegen Anglizismen, aber es gibt schönere und unschönere Einsatzmöglichkeiten.

An der Verwendung gewisser Wörter und Redewendungen kann oft das Alter der Person abgelesen werden. Dazu gibt es auch eine englischsprachige Seite online, bei der Sie Ihr Geburtsjahr eingeben und erfahren können, welches Wort in diesem Jahr ins Wörterbuch neu aufgenommen wurde. Bei mir war es die Luftgitarre – bitte keine Witze!

Erwachsene, die im beruflichen Umfeld, vor allem in der Politik, „OMG“ oder „O mein Gott“ rufen ­­– „oh“ und „mein“ dürften leider gekommen sein, um zu bleiben ­­– wirken auch etwas deplatziert. Angebracht wäre ein solcher Kommentar bei einem sehr jungen Menschen über einen Flirtversuch des Schwarms bzw. der Flamme. Apropos Flamme, wir sehen: auch altmodische Begriffe sind oft genderneutral. So auch das dialektale „Enkerl“, kürzlich gehört im motivierenden Satz „Alle anderen in meiner Damenrunde haben schon Enkerl“.

Jene, die gerade Deutsch lernen und mit den vielen unvorhersehbaren Artikeln kämpfen, äh struggeln, könnten vielleicht mehr -erl, -lein oder -chen, je nach Region, als Verkleinerungsform verwenden. Aktuell wären „das Katzerl“ und „nur noch ein Kekserl“ und das darauffolgende „Nickerchen“ passend.

Im Portugiesischen, Italienischen und Spanischen wird bei der Verkleinerung eine Nachsilbe hinzugefügt. Diese Form ist in der Alltagssprache häufiger als bei uns zu finden, z. B. „Hübscher“, (Wienerisch „Fescher“): guapo, der zu guapito wird (Spanisch) oder die Suppe sopa wird zu sopinha, der Fisch peixe zu peixinho (Portugiesisch) und der Junge ragazzo zu ragazzino (Italienisch). Diese Sprachen erlauben generell auch die Vergrößerungsform mithilfe von Nachsilben. Im Deutschen verwenden wir dafür entweder ein Adjektiv davor, z. B. „ein riesiger Aufwand“, oder aber ein zusammengesetztes Substantiv, wie bei „Riesenaufwand“ und „Mega-Projekt“ und folglich „Mega-Pleite“.

Wenn Sie also Ihre guten Vorsätze bis zum nächsten Urlaub durchhalten, können Sie nun dank Verkleinerungsform eine kleine Portion des jeweiligen Gerichts bestellen – bei den vielen Gängen in Italien und den iberischen Nachspeisen könnte man jedoch die Vorsätze sowieso zu Hause lassen.

Zusätzlich zu einzelnen Wörtern hält in vielen Sprachen, und so auch bei uns, auch immer mehr die englische Grammatik Einzug. Kürzlich fuhr eine Fahrschule der Straßenbahn an mir vorbei ­­– mit dem Tourismus-Werbetext „Machen Sie außergewöhnliche Erlebnisse in … (unserem Nachbarland)“. Das hätten Sie jetzt nicht expected! Wie werden sie gemacht, die Erlebnisse? Und wer bekommt diese dann? Da gäbe es korrektere Alternativen. Bei der Übersetzung zu sparen ist nicht immer die beste Entscheidung.

Eine weitere salomonische Ausdrucksweise, auf die ich mittlerweile schon mehrmals in Online-Zeitungen oder Zeitschriften gestoßen bin, ist aus Englisch share, welches ein viel weiteres Bedeutungsspektrum hat als teilen, zum Thema Scheidung: „Es gab wenig Kommunikation zwischen ihm und Amira, mit der er zwei Söhne teilt.“ Teilt? Warum nicht hat? Dann können sie im Ganzen bleiben. Oder sie teilen sich das Sorgerecht, das hält es aus. Geteilt wird heutzutage sprachlich fast alles: Kontaktdaten, Gefühle, Bilder. Wenn ich meine Handy-Kontakte teile, habe ich danach im eigentlichen Sinn mehrere Gruppen, also mehrere Teile, so wie bei der Paella, die ich teile. Durch den Einfluss des Englischen und der Online-Welt, in der Dinge ganz bleiben, obwohl man sie teilt, versteht man derzeit darunter, dass ich sie an jemanden weitergebe (sie selbst aber trotzdem behalte). Wir haben sie, die Vorsilben, eine Besonderheit des Deutschen, durch die etwas ganz präzise ausgedrückt werden kann, mit-, ver-, auf-, ein-, also mitteilen, verteilen, aufteilen, einteilen uvm. Doch sie werden insgesamt, so scheint mir, seltener verwendet.

Schließen möchte ich heute mit der Aussage einer Passantin am Telefon, die zwar ernstgemeint war, mich aber zum Schmunzeln brachte: „Es ist emotionell derzeit so wie’s ist.“

Ich wünsche einen guten Start ins neue Jahr!

Wann und wo man Dr. „Froid“ und „Pomfrit“ schreiben darf und warum es in den USA „Diener“ im Labor gibt

Wann und wo man Dr. „Froid“ und „Pomfrit“ schreiben darf und warum es in den USA „Diener“ im Labor gibt

Eine sprachliche Entdeckungsreise zur Schreibweise

Es ist spannend zu beobachten, wie Wörter und unter ihnen vor allem (Eigen-)Namen aus anderen Sprachen und Ländern schriftsprachlich umgesetzt werden. Dabei sticht für mich B/K/S (Bosnisch/Kroatisch/Serbisch und Montenegrinisch) besonders hervor. Hier lautet das sympathische Credo: „Schreib, wie du sprichst“. Während die Grammatik für Lernende zum Verzweifeln ist und auch mit einem recht sattelfesten Vokabular ohne das grammatikalische Wissen kein korrekter Satz gebildet werden kann – außer es gelingt ein Zufallstreffer –, so sind Wörter sehr gut lesbar. Die richtige Aussprache beim Lesen stellt für Lernende keine größere Schwierigkeit dar. In Zagreb, das geschichtlich besonders viel deutschsprachigen Einfluss erlebt hat, las ich im Lokal auf einem Schild zur Getränkeauswahl „Gmišt“ und „Špricer“. Germanismen lassen sich sehr viele finden. Auch meine Freundin aus Bosnien erzählt, ihre Mutter verwendete schon in den 80er-Jahren bereits einige Wörter, von denen sie selbst erst Jahre später, nach ihrer Ankunft in „Beč“ (Wien) erfuhr, dass sie aus dem Deutschen kommen. Kürzlich erhielt ich ein Foto eines Wäschegeschäfts in Serbien mit dem Schild: „Veš“. Wir kennen in Österreich die „Wäsch‘“. Allerlei Praktisches gibt es darüber hinaus: Reißverschluss: „rajsferšlus“ und Schraubenzieher: „šrafciger“. Der österreichische Kronleuchter, also der „Luster“, wird mit stärkerer „r“-Aussprache zu „luster“. Die Palatschinken haben wir wiederum eingedeutscht.

Zum Thema Schreibweise gibt es auch eine unterhaltsame Aufzählung, die zeigt, wie diverse Sprachen in Europa „Sandwich“ schreiben, alle, wie auch das Deutsche, sehr ähnlich dem Original: sandwich, sándwich usw. Und B/K/S? Ganz einfach: „sendvič“. Falls auch Sie jetzt Hunger bekommen haben, es gäbe auch noch „pomfrit“. „Ekstra!“(Super!) Als Kind lernte ich in der Schule in der Leopoldstadt schon einige Wörter von meinen Mitschülern, natürlich vor allem das Fluchen, das allgemeinsprachlich etwas lockerer als im Deutschen gehandhabt wird. Fluchen in einer Fremdsprache ist bekannterweise beliebt, es klingt für das eigene Ohr weniger beleidigend oder vulgär, wobei es aus meiner Erfahrung Touristen und frische Erasmus-Stipendiaten in Italien und Portugal mit ihrem neu erlernten Wortschatz auch übertreiben können.

Wir fluchen nicht – nicht immer

Vor ein paar Jahren wurde ich von meinen dreizehnjährigen Schülern gefragt, warum sie nicht fluchen sollten. Ich dachte nach. Warum eigentlich nicht? Zum einen wegen der Aussage des Gesagten. Kinder und Jugendliche verwenden oft Schimpfwörter, deren Bedeutung sie nicht kennen – beziehungsweise geben sie ihnen unwissentlich eine neue, meist viel harmlosere Bedeutung. Es ist sinnvoll, nachzufragen: „Was meinst du damit?“ Ich erklärte dann die eigentliche Bedeutung ihres Schimpfwortes und die Antwort war stets: „DAS wollte ich damit nicht sagen.“ Angenommen ein politisch korrektes Fluchen oder Beschimpfen wäre möglich, warum soll man es nicht tun? Ich argumentierte, weil man dadurch ein bestimmtes, negativ behaftetes Bild von sich erzeugt (außer man ist Mozart) und weniger Chancen im Leben hat. Die Wort- und Gedankenwahl ist für unser Leben wichtiger, als uns im Alltag bewusst ist. Manchmal ist es aber auch erlaubt zu fluchen, um seiner Wut Ausdruck zu verleihen, etwa wenn der Lift stecken bleibt, der Geschirrspüler den Geist aufgibt, das Handy Anlauf nimmt und auf den Steinboden springt oder man sich im (unvorteilhaften) Morgenmantel aus der Wohnung aussperrt.

Freudsche Versprecher auf französischen Dates

Doch nun zurück zur Schreibweise: Das Lesen der hebräischen Schrift ist im Gegensatz dazu sehr herausfordernd und sobald mein Lernbuch dazu übergeht, die Vokale nicht mehr anzuzeigen (zu punktieren), komme ich bei vielen Wörtern ins Schwitzen. Für fremdsprachige Wörter aus dem Deutschen oder Englischen gelten einige Regeln, zum Beispiel wird für das „A“ ausschließlich der Buchstabe Alef und nie Ayin verwendet. Sonst wird zum Glück jedoch geschrieben, wie gesprochen wird. Der Psychologe Freud wird somit zu „Froid“ – פרויד. Auch im Deutschen würde in diesem Fall diese Schreibweise Sinn machen, unsere Sprache nahm jedoch sprachgeschichtlich einen anderen Weg. Wer französischsprachige Nachrichten liest (ich nicht vorsätzlich), weiß in diesen Tagen auch, dass „Putin“ dort „Poutine“ geschrieben wird. Auch hier richtet sich also die Schreibweise nach der jeweiligen Aussprache.

Freudsche Versprecher können besonders leicht während einer romantischen Verabredung passieren. Aus dem „Rendezvous“ ist mittlerweile das „Date“ geworden. Schade eigentlich, denn das Rendezvous gibt es fachsprachlich sogar in der Raumfahrt bei der Ankopplung zweier Fahrzeuge. Andererseits ist das Schreiben von Wörtern französischen Ursprungs damals wie heute eine „Challenge“ (Österreich-Englisch sprich: „Tschällensch“).

Letzte Woche ging ich zwei Mal ins Kino, es waren keine Rendezvous. Ich sah zuerst einen Film aus Israel im Rahmen der jüdischen Filmwochen, in dem es um die Frau in der Arbeitswelt ging, das zweite Mal einen Blockbuster, in dem es um Sandra Bullock im Dschungel ging. Dementsprechend unterschiedlich war die Werbung davor. Zeitungen und Kultur vs. Fast-Food und zuckerhaltiges Getränk, das laut einer urbanen Legende alles innerhalb weniger Minuten säureartig auflöst. Unter die erste Kategorie fiel die Werbung eines „linearen“ (diese Bezeichnung ist mir neu) Fernsehsenders, den ich öfter als Jugendliche einschaltete und von dem ich hoffe, er bleibt uns weiterhin erhalten. Mein entzündetes Auge musste das in seiner Werbung eingeblendet Wort „Colture“ lesen. Ich vertrete die Meinung: Besser „fades“ Deutsch als Fantasie-Englisch. Die sprachliche Korrektheit leidet zusätzlich sehr unter dem allgemeinen Zeitdruck und der Schnelllebigkeit von Social Media. Sobald ein gesponserter Beitrag veröffentlicht worden ist, nutzen nachträgliche Korrekturen nicht mehr viel. Besser einmal darüber schlafen und erneut lesen, damit kein „Schmafu“ herauskommt. Schmafu kommt auch aus dem Französischen, ausnahmsweise mit schön einfacher Schreibweise. Er kommt von „Je m’en fous“ (Bedeutung: Es ist mir egal). Ähnlich wäre im Englischen „Snafu“, aus der nordamerikanischen Soldatensprache, scherzhaft „Situation Normal, All F*(wir fluchen nicht) Up“. Im Deutschen haben wir das ebenfalls ironische Pendant dazu: „Operation geglückt. Patient tot.“

Schön die Augenblicke, in denen man sich echauffieren (von franz. échauffer, erhitzen) darf über: falschgeschriebene Wörter, zu viele Anglizismen, zu viele Germanismen oder zu viele Französismen (gut, sie heißen Gallizismen), die scheinbar unendlich vielen – es sind sieben – Fälle von B/K/S und fluchende Jugendliche. Da wir durchatmen müssen, tut uns manchmal die gedankliche Beschäftigung mit dem Kleinen, dem „Pipifax“ und „Schmonzes“ doch im Herzen gut. Ich schließe mit einem Zitat aus der Süddeutschen Zeitung 1995: Und was den Laien‑Laboranten (im US-Englischen heißt der Laborassistent tatsächlich diener, wie verlockend) angeblich so aufgewühlt hat, ist dem Experten purer Pipifax. 

Lockdownspaß, Prozente und wunderliche Grammatikfragen

Lockdownspaß, Prozente und wunderliche Grammatikfragen


Unsere Erlebnisse seit Beginn des Lockdowns fallen eher bescheiden aus. Die meisten spielen sich vor unseren Bildschirmen ab. Lockdownerlebnisse, Lockdownspaß und Lockdownkanzlerrücktritte mit Wechselbestimmungen und Wechselministern.

Auch die Großeinkäufe in Drogerien und ausgedehnte Shoppingtouren in Bäckereien zählen als Lockdownspaß. Online erwarten sich Käufer, bevor sie Waren ganz ohne Gedränge in virtuelle Warenkörbe ziehen, meist Rabatte und Prozente. Die Prozentangaben der Geschäfte on- und offline werden jedoch oft falsch geschrieben, das heißt ohne Leerzeichen oder Abstand zwischen Zahl und Prozentzeichen. 100%ig kann man das aber so nicht sagen, da das wiederum ein Wort und richtig ist.

Prozent kommt von lat. „pro“ und „centum“, „von hundert“, manchmal liest man im Deutschen noch die Abkürzung v. H. Wenn man in Italien 100 % gibt und sagt, also „cento percento“, klingt es melodisch. Die handschriftliche Abbreviatur „cto“ von hundert (cento) wurde mit dem Entstehen der ersten Banken in Florenz und Siena – vor sehr vielen Kanzlern – also genauer gesagt im 15. Jahrhundert, immer gebräuchlicher. Daraus entstand die heutige Form des Prozentzeichens. Aus dem „c“ wurde der obere linke Kreis, aus dem „t“ der Schrägstich und aus dem „o“ der rechte untere Kreis. Ein Beweis dafür, dass aus unleserlichen Handschriften – schriebe ich dies handschriftlich, wüssten Sie vielleicht was ich meine – Gutes entstehen kann.

Von der Grammatikfrage zum Gerücht

Meine Hebräischlehrerin schreibt ebenso schwungvoll. Wenn auch nicht klassisch leserlich, doch schön, im Gegensatz zu mir und meinen Tafelbildern. Das Lesen auf Hebräisch ist an sich herausfordernd. Nicht nur, dass alles von rechts nach links zu lesen, zu schreiben und zu denken ist. Auch die Vokale müssen ergänzt werden und die Wörter lassen sich nicht freiwillig aufgrund von Ähnlichkeit erraten. Es gibt aber auch Vorteile. So besteht keine Groß- und Kleinschreibung – außer unabsichtlich in unseren Heften – und die Monate heißen wie im Deutschen. Das Wort „sein“ existiert nicht in der Gegenwart. Es genügt also: „Ani Barbara, אני ברברה“ „Ich (bin) Barbara,“ oder „Ani babait, אני בבית“ „Ich (bin) zuhause (im Haus),“ zu sagen, was wir lockdownbedingt kaum mehr dazusagen müssen. Bait kennt man in Wien unter anderem von dialektal „Beisl“, das sprachlich über das Jiddische zu uns gekommen ist. Passend zur Weihnachtszeit finden wir Bait auch in Betlehem, Haus des Brotes.  

Angenehm, aber erst einmal zu lernen, ist auch, dass sich Präpositionen mit Pronomen direkt verbinden, so sind „gegenüber von mir“, „neben dir (mit einem Unterschied männlich/weiblich)“, „bei ihnen“ usw. im Hebräischen jeweils nur ein Wort. Als wir in der Stunde vor dem Lockdown einige der Präpositionen durchgingen, landeten wir bei diesem ב, bet, das „b“ – oder je nach Vokalisierung mit bestimmtem Artikel auch „ba“ – gelesen wird. Wie in „im Haus“ eben. Es ist übersetzt die Präposition „in“, die lokal, wie hier, aber auch zeitlich, etwa „im Winter“ (und darüber hinaus auch für viel mehr Zeitangaben als bei uns) verwendet wird. Auch im Hebräischen wortwörtlich, wie bei uns, „in Ordnung“ – dort aber auch nur ein Wort – findet man es.

Verbindet sich dieser Buchstabe bet nun mit der 1. Person Singular, ich, also ב und אני („b“ und „ani“), wird daraus einfach בי: „bi“. Wie gesagt, es bedeutet hier etwas ganz anderes als unser „bi“, wie eigentlich fast alles auf Hebräisch. Nun kam in mir (hier fällt es mir natürlich ein) der Wunsch auf, einen sinnvollen Satz damit zu bilden, doch mir fiel nichts ein, außer: „Das Baby in mir.“ Woraufhin mich alle ansahen, was im Online-Unterricht nicht auffallen würde (Starren auf ein Eck am Bildschirm), im Klassenraum aber dann doch. Nein, das könne man so nicht sagen, erklärte die Lehrerin, man verwende dieses „in mir“ eher im übertragenen Sinne, „der Glaube in mir“ und „die Hoffnung in mir“.

Meine Mitlernenden sind wissbegierig und nicht besonders schüchtern und fragten mich daraufhin: „Bist du schwanger?“ Ich schüttelte verneinend den Kopf, musste dann jedoch wegen eines Arzttermins zehn Minuten früher die Stunde verlassen, was meiner Glaubwürdigkeit nicht weiter dienlich war. So schnell entstehen Gerüchte.

Schubladen-Denken im britischen Internat?

Weihnachtszeit. Eine norwegische Serie, die von genau dieser Vorweihnachtszeit handelt, wurde auf Deutsch synchronisiert. Bei einem Satz schrillten bei mir die Weihnachtsalarmglöckchen in den Ohren: „Ich hätte mir nicht gedacht, dass du die Menschen so schnell in Schubläden packst“. Schubläden oder Schubladen? Schiebbare Läden, das ist keine schlechte Idee. Aktuell würden Schubläden, bei den Jungen einfach Schubshops, gewiss gerne von einigen Besitzern in lockdownfreie Zonen und Länder – nicht nur in die virtuellen – verschoben werden. Doch sie werden sich mit der Verschiebung ins Internet fürs Erste begnügen müssen.

Schon in den 90er Jahren fürchtete man sich in weiser Voraussicht vor dem Internet, wie dieser österreichische Artikel über Prinzessin Diana Anfang dieser Woche berichtet:

(…) Um ihren Söhnen William und Harry die Nervosität vor dem Internet zu nehmen „hat sie auf der Fahrt immer laut mitgesungen und wir holten die Sicherheitsleute ins Auto, die dann auch mitsangen.“

Es bleibt zu hoffen, dass es (kein) Internet im Internat gab. Als ich soeben Internat schreiben wollte, tippten auch meine Finger Internet. Verhext. Wir werden vielleicht langsam zu Bots und die Anhänge unserer E-Mails erleben dann Sandboxing (es ist nicht das, wonach es klingt, für die infizierten E-Mails aber ähnlich unangenehm). Schöner sind sowieso, falls leserlich, handgeschriebene Weihnachtsbriefe und Postkarten mit Wichteln.

Es wird langsam Zeit

Fantasiewesen wie Trolle, Wichtel und mehr haben seit jeher auch einen wichtigen Platz in unseren Sprachen. Wenn Regen und Sonne gleichzeitig eintreffen, so frisieren sich die Hexen, sagt man in einigen Regionen Norditaliens: „Quando piove col sole si pettinano le streghe.“ Ein seltenes Spektakel. Apropos Italien: Das italienische Äquivalent zu 2G ist der Super Green Pass. Es ist interessant zu sehen, wie die verschiedenen Länder und Sprachen mit dem sprachlichen Bedarf, der durch die Epidemie entstanden ist, umgehen, von Umdeutung, über Wortschöpfung bis hin zu mehr oder weniger kreativen Abkürzungen.

Nun gut, „gehen wir langsam?“ Vor ein paar Wochen fragte das jemand aus der Verwandtschaft nach dem Besuch im Gasthaus in die Runde. Gemeint war langsam als Gegenteil zu schnell. Verstanden wurde „schön langsam“, im Sinne von „allmählich“. So viel macht ein kleiner Unterschied in der Betonung aus. Schriftlich ist es allgemein recht schwer ohne Betonung, Mimik und Körpersprache zu kommunizieren, was zu noch mehr Missverständnissen führt. Homeoffice-Arbeit zeigt auch, wie wir zum Lockdownspaß kompliziert zehn Mal hin- und herschreiben können und dann immer noch zweifeln, wie etwas genau gemeint oder zu verstehen ist, anstatt wenige Minuten lang persönlich miteinander zu sprechen zu können. Die Hoffnung ist in mir auf ein baldiges Ende der Pandemie und den Anfang vieler persönlicher Gespräche.

Von Tabus, Zyklopen und lustigen Redewendungen

Von Tabus, Zyklopen und lustigen Redewendungen

Und wie bald man sich international (nicht) wiedersehen möchte.

Vergangene Woche in Lissabon erhielt ich eine Nachricht eines Fremden auf Portugiesisch über Social Media, es war zirka die dritte nach „Hallo, wie geht’s?“. Sie lautete: „Was sind die Tabus, über die du nicht sprechen möchtest?“ Eine eher unpassende Art der Gesprächseröffnung. Beim Small-Talk-Seminar: „Erkundigen Sie sich, wie man hergefahren ist“, hat er anscheinend gerade gefehlt. Ich zählte sie dann in Gedanken auf, die Tabus. Mir fiel sofort das Thema Gendern im Deutschen ein, das immer für sehr viel Emotionen sorgt. Ich denke, das war nicht gemeint. Da es blöderweise Tabus waren, fand die Online-Unterhaltung hier ein jähes Ende.

So in etwa geht es vielen von uns seit bald zwei Jahren, wenn wir versuchen, über ein allgegenwärtiges Thema nicht zu sprechen oder zu schreiben und uns wünschen, Corona, die spanische Bezeichnung für „Krone“, würde sich weiterhin alltagssprachlich auf das mexikanische Mais-und-Reis-Bier mit Limette beziehen. Doch das Spannende an Tabus ist wohl, sie zu brechen, und der alte psychologische Trick: „Denken Sie jetzt bitte keinesfalls an blaue Kronen,“ funktioniert immer noch. Und, was sind Ihre Tabus so?

Erzählen Sie mir Ihre, erzähle ich meine. Nach dem Motto: „We are even, Steven.“

Ein weiterer Ausspruch, der mir öfters beim serienmäßigen (binge watching) Folgenschauen ins Auge gesprungen ist, lautet: „Look me in the eye“ – Yes. In welches? „The eye“ klingt irgendwie verdächtig nach monatelanger Seekrankheit und Zyklopenhöhle mit Scha(r)f.

Inselromantik dank Venus

Dann lieber doch direkt auf die Insel und nicht auf dem Wasser bleiben. Ich erhielt dieser Tage ein Werbemail eines Reisebüros mit der überhaupt nicht persönlichen Frage: „Sie planen zu Heiraten?“ Schrieben sie heiraten klein, hätte ich beinahe „Ja“ gesagt. Danach kamen wunderschöne Inseln auf Bildern zum Vorschein, die das Verb fast wieder kleiner erscheinen ließen. Ich warte trotzdem dann doch lieber auf die nächste Heiratsmail. Denn wie meine Lieblingsastrologin, Frau Gerda Rogers, letzten Sonntag versprach (nicht mir, aber man bezieht natürlich gerne alles auf sich): „Ich bin überzeugt, die Venus rast nicht an Ihnen vorbei.“

Zum Thema Strand passt aus geografischen Gründen auch der vor etwas längerer Zeit getätigte Ausspruch eines Politikers zu Epidemie-Regelungen: „Und wenn etwas in Italien funktioniert, dann soll man das nicht immer neu umsetzen wollen, sondern genauso machen.“

Wie bald man sich international wiedersehen möchte

Uns verbindet ja viel mit Italien, nicht nur Melanzani, Maroni, Zucchini und vegane Reisgerichte. In Italien wird im öffentlichen Leben auch ähnlich wie bei uns verabschiedet, und zwar mit dem berühmten „Arrivederci“ – auf Wiedersehen. Wann man sich wiedersieht, das lassen wir offen. Die Portugiesen sind da zuversichtlicher und sagen liebend gerne „Até amanhã“ – bis morgen, was besonders bei nicht tagtäglich aufgesuchten Orten wie Friseursalons lustig ist. Die etwas Älteren antworten daraufhin zweifelnd: „Se Deus quiser.“ (So Gott will.)

In Madrid zeigt man sich noch zuversichtlicher und sagt beim Abschied: „Hasta luego!“ – bis später – sehr sympathisch. Wer weiß, ob sich die Wege nicht wenige Stunden später wieder kreuzen? Diese Einstellung würde auch erklären, wieso Tag und Nacht so viele Menschen unterwegs sind, sie nehmen wohl die Verabschiedung beim Wort und müssen ihr Versprechen einhalten und noch schnell einmal beim Obststand vorbeischauen. Der Taxifahrer, der mich vergangene Woche zum Flughafen Madrid führte, sagte „Adiós!“ und rief mir dann, was sehr schön war, noch ein „Hasta luego!“ nach. „I’ll be back“ – dachte ich.

Falls der böse Terminator aus dem ersten Film Ernst macht, könnten die Maschinen für einen Blackout sorgen oder aber für ein Blackout. Seitdem von dieser stromlosen Gefahr in den Medien die Rede ist, wurde aus „das Blackout“ verstärkt „der Blackout“. Man vergleiche früher: „Mit dem Sedlacek hab‘ ich auf der Firmenfeier rumgeschmust? Ich hatte wohl ein Blackout!“ und heutzutage: „Österreichische Unternehmen rüsten sich für einen Blackout.“ Verständlich vor der Firmenfeiern-Weihnachtszeit. „Österreichische Unternehmen rüsten sich für Burn-outs“ wäre vielleicht wichtiger.

Besonders gerne mag ich das Wort Level. Schon in der Volksschule, als Super Mario der Mühlviertler Sonne in den Sommerferien vorgezogen wurde, diskutierten wir, ob es nun „das“ oder „der“ Level hieße. Man brauchte wohl Suchmaschinen. Die einzigen Suchmaschinen, die wir hatten, waren unsere dicklichen Bauernhofkatzen. Sie fanden immerhin die Maus, was mir bei „Work&Travel“-Versuchen Schwierigkeiten bereitet. Ich verschustere übrigens regelmäßig den für die Maus so wichtigen kleinen, schwarzen USB-Stecker. Das in Österreich gebräuchliche Wort „verschustern“ ist befreundet mit „verschmeißen“, kann aber auch heißen, eine Chance zu vergeben, beim Fußball etwa.

Lassen wir uns die Chancen nicht entgehen, uns bald wiederzusehen.

In diesem Sinne: Bis morgen.

Barbara

Herbststimmung: Veganer-Eis oder lieber ein warmer „shawl“?

Herbststimmung: Veganer-Eis oder lieber ein warmer „shawl“?

Die kühlen Temperaturen erfordern neue Worte!

Ich bin zurück aus Italien. Doch Italien ist auch hier! Auf dem Weg ins Café traf ich auf dieses nette Schild:

Eis aus Veganern?

Es schmeckt zwar sicherlich sehr gut, aber es sind ein paar Fehler im Eis … nein: Schild! Wie viele findet ihr? Veganer Eis sind zwei Wörter, die recht unmotiviert nebeneinander stehen (klingt nach meinem letzten Date). Bei Wörtern, Zahlen und Buchstaben geht es, wie bei allem im Leben, hauptsächlich darum, eine Beziehung darzustellen oder herzustellen. Ist das Adjektiv „veganes Eis“ gemeint oder der Begriff Veganer-Eis (auch in Ordnung, dann aber mit Bindestrich). Oder es gibt hier Veganer und Eis, was auch stimmt, allerdings ist nur das Nicht-Milchprodukt käuflich.

Interessant sind auch Heidelbeer und Himbeer. Brom- und Him- kommen übrigens sonst als Präfixe in keinen anderen Wörtern der deutschen Sprache vor, sind gebunden an die Beere. Lustig ist auch, dass nicht-wörterbuchkonform „Heidelbeere“ geschrieben wird, sondern das für den mündlichen Sprachgebrauch in der Kombination mit Eis üblichere Heidelbeer ohne e am Ende.

Der Bindestrich, der bei dem Veganer-Eis (ganz hip in Speisekarten auch gern veganer.eis kursiv geschrieben), ist heruntergefallen und hat ein Dunkle-schokolade-Wort gebildet. Hier braucht man ihn weniger, dafür bräuchte die Schokolade ein großes S.

Wer ganz genau schaut, hat auch auf dem Schild dahinter Kaffe entdeckt. Auch wenn ihn unsere Nachbarn aus Deutschland so aussprechen, wird er trotzdem Kaffee geschrieben. Doch die Italiener haben hier voraussichtlich ihren Caffè eingedeutscht mit K, kein schlechter Ansatz!

Ins Café geht man, den Kaffee trinkt man.

Da es den Wörtern, Buchstaben, Menschen und Molekülen (?) um die Beziehung zueinander geht, betrifft das auch Sprache an sich. Die kommunikative Aufgabe dieses Eisschildes ist gänzlich erfüllt, die Message angekommen. Ich sehe vor meinem inneren Auge zwei blaue Häkchen. Deshalb machen diese Fehler überhaupt nichts, höchstens das Geschäft sympathisch! Der kommunikative Zweck ist erfüllt.

hip hipper – am hipp(e)sten

Hip Hop (hip-hop)

Hipster

Hippie:  earlier (1953) a variant (usually disparaging) of hipster (1941) „person keenly aware of the new and stylish“ 

Wir staunen. Ein Hippie war bereits eine Variante eines Hipsters. (Zum Glück nur sprachlich.)

So neu sind unsere hippen Wörter auch wieder nicht, wie man sieht.

Aber jetzt … a bit more of bella Italia. Als ich in Italien ankam, lief im Bus von Catania nach Palermo das Radio und das Thema war Ablenkung am Steuer. Hoffentlich lenkte dieser Radiobericht nicht wiederum unseren Busfahrer ab. Ein Autofahrer wurde bestraft, weil er einen Teller Pasta am Steuer aß. Alle Achtung! Uns „Nicht-Italienischen“ gelingt das nicht einmal, ohne dabei ein Auto zu lenken; die langen Nudeln ohne Löffelhilfe elegant mit Soße auf der Gabel zu behalten! Complimenti! Wahrscheinlich blieb sein frisch gebügeltes Hemd (Grazie, mamma) sogar sauber dabei.

Die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Sizilien macht Spaß. Ich fuhr Tage später von Palermo nach Cefalù, als mir ein besorgter brasilianischer Bekannter schrieb: „Pass gut auf dich auf.“ Ich reagierte cool: „Überhaupt nicht gefährlich“. In Cefalù wollte ich Luciano treffen, der von der anderen Seite der Küste mit der Bahn nach Cefalù kam. Ich erhielt eine Nachricht und einen Anruf auf Englisch (um nicht von allen verstanden zu werden) von ihm: „Es gab eine Schlägerei im Zug. Er musste angehalten werden, die Polizei ist da.“ Ups, verschrien.

War es ein Clown? Nein, aber es war eine Geschichte mit Zivilcourage. Schockierend fand ich hingegen die Mariahilfer Einkäuferinnen und Einkäufererer, die zusahen, als ein Clown (es klingt wirklich zu absurd um es auszuschreiben) auf eine Frau einschlug. Jemand bemerkte sogar, dass da etwas nicht ganz in Ordnung war, reagierte und …..

….. filmte! Klar. Was sonst? Der Clown hatte Glück, dass ich nicht in der Gegend war, ich habe es schon seit ES in den 90er Jahren auf ihn abgesehen. Kiiiiap!

Man könnte auch statt der unerfreulichen Nachrichten ein Buch lesen. So getan meine Mutter, auf Englisch. Und entdeckt: Es gibt viele schottische Wörter, die sehr an das Deutsche erinnern.

I dinna hold wi‘ your secrets, and a secret that the hail toun kens!

Ich like hail taun für whole town. Besonders verzückt bin ich bei kens mit k, wie kennen. I ken it. Falls euer Kind so bei der nächsten Englisch-Schularbeit schreibt, sagt einfach, „That’s Scottish English!“

Und bei besonders Hartnäckigen: He kens your secrets!

Ich wickle mich jetzt in meinen shawl (Englisch für großes Tuch, klingt aber schal/Schal, Germanisten-Witz, sorry, pals) und trete dem Herbst entgegen. Falls ihr noch mehr Fehler auf dem Eisschild entdeckt habt, die ich nicht gesehen habe, freue ich mich für euch. 😉

Schönen Herbstbeginn und lasst euch nicht von Clowns beißen!

Barbara

Geisterfahrer schnell und rasch mit Zahnpasta unterwegs

Geisterfahrer schnell und rasch mit Zahnpasta unterwegs

Bei meinem traditionsreichen Hören der ö3-Sternstunden sonntagabends kommen manchmal auch Geisterfahrermeldungen. Heutzutage folgt auf die deutsche Warnung sinnvollerweise auch eine in englischer Sprache. Leider wird hier aber nicht vor einem „ghost driver“, dieser wäre gut bildhaft vorstellbar, gewarnt, sondern nur, dass jemand in die „wrong direction“ fährt (und somit ein wrong-way driver wäre). Ich frage mich: Wie heißen die Geisterfahrer in anderen Sprachen oder fahren sie prinzipiell nur in Österreich, weil es sie ja in anderen Sprachen nicht gibt? (Haha)

Ich glaube, alle anderen müssen ihn umschreiben. Eine sprachliche unübersetzbare Besonderheit unserer Geisterfahrer.

Wenn Sie einen sehen, machen Sie bitte ein Lichtbild von ihm. Ein aus unserem Wortschatz verschwindender Begriff, schade eigentlich (außer in Listen, welche Dokumente man vorzulegen hat – zwei Lichtbilder!).

Apropos Beamtensprache. Letzte Woche half ich einer Brasilianerin mit der österreichischen Bürokratie. Vielleicht. Ob ich wirklich half, ist bis heute unklar und wird auch nie gänzlich zu klären sein. Ich versuchte à la Kafka möglichst viele Informationen zusammenzutragen und Vielleicht-Verantwortliche zu kontaktieren, was in weiteren Umleitungen und eher noch größerer Verwirrung mit Warten endete. Ich rief dazu auch im Außenministerium an, wo sie übrigens sehr freundlich waren. Der junge Mann sprach weiterleitend von den Botschaften in Laibach und Pressburg. Pressburg, ahja. Gehört in der Jugend! Ich musste kurz von Deutsch-als-Kind auf Deutsch-halt-jetzt übersetzen, um zu wissen, um welche Städte es sich handelte. In Pressburg mit dem Bratislover also.
Das Gleiche in Grün passierte ein paar Tage früher, als ich mit einem Freund über das kroatische Restaurant Ragusa sprach. Wo liegt Ragusa? Ganz klar im Osten Siziliens, certo! Aber auch nein: Ragusa ist auch der alte Name von Dubrovnik.

Interessant ist die sich verändernde Namensgebung von Städten, zu der man wahrscheinlich eine Doktorarbeit schreiben oder ein Pubquiz veranstalten könnte.

Wien wird übrigens auf Spanisch und Portugiesisch nicht Vienna, sondern (sie mögen Doppelkonsonanten nicht sehr) Viena geschrieben. Was ihr mit dieser Information Nützliches anfangen könntet, bleibt fraglich, ist aber wiederum nicht mein Problem. Vielleicht geeignet zum Sympathiepunkte sammeln beim im Dunkeln im Flieger wackligen Ausfüllen des Einreiseformulars für Menorca, São Tomé oder Honduras.

Mehlspeise und Melange oder doch Brühe?

Wien. Kürzlich im Café im 19. bestellte ein deutsches Paar auf Wien-Urlaub stolz mit leichtem Zittern, ganz wenig verdächtig ausgesprochen (als Mission-Impossible-Spion mit Ferrero Waldner-Gesichtsmaske müsste noch geübt werden) eine „Mehlspeise“ und eine „Melange“. Lobenswert, dass sie in der Sprache der Einheimischen oder, wie man so schön sagt, locals oder früher schön abwertend Eingeborenen versuchen zu kommunizieren.

Als Ausgleich dafür, dass unsere Jugendlichen teilweise etwas weniger typisch-österreichisch sprechen, gelinde gesagt – oder hat’s Gelinde gesagt?

Dieses „gelinde“ kommt übrigens aus Althochdeutsch *lind und wer aufgepasst hat, (der Lieblingsspruch vieler L.) findet es auch bei „Schmerzen lindern“.

Es wurde auch für Speisen verwendet, so schrieb Anna Wecker in ihrem Kochbuch (nein, das Rezept wurde im 16. Jahrhundert nicht auf YouTube gestellt, wieder so ein Lehrer-Scherz):

„… geuß die brüh darüber/daß sie ein wenig lind werden“

Ein guter Rat, wie „wir“ finden: Schmeckt es nicht, ist es zu scharf oder versalzen, einfach Brühe darüber leeren.

Na dann Mahlzeit!

Danach das Zähneputzen nicht vergessen! Am besten mit einer absolut angesagten Zahnpasta wie jener bei Bipa, die (ich lüge nicht, Bruder) „Vegan freundlich“ ist. Mit Kokos und allem Drum und Dran. Endlich! Ich bin ehrlich gesagt auch diese Vegan unfreundlichen Zahnpasten leid! Mit Bildern von klatschenden, hämisch lachenden Fleischhauern und Kebab-Geschmack.

Wo wir beim Thema Unsinniges sind. Vor zwei Wochen meinte eine niederösterreichische Politikerin zum Thema Impfen: „Das muss jetzt rasch und schnell erfolgen.“ Also ja? Rasch UND schnell? Ich würde sie gerne befragen, worin sie den Unterschied zwischen rasch und schnell sieht. Vielleicht schnell Impfwillige finden und dann rasch zustechen.

Um dann innerhalb des 3G-Netzes gerüstet zu sein. Diesbezüglich meinte unlängst ein lockerer Kellner: „Wenn sie kommen, müsst es halt haben.“ SIE kommen! Ich musste unweigerlich an Außerirdische denken.

Wären sie eine Zeit lang hier bei uns, würden sie wahrscheinlich, wie es kürzlich einem Bekannten aus den USA passierte, zurück in ihrer Heimat auf Außerirdisch auch alle Sätze im Gespräch mit „Ja, … “ bzw. „Naja, … “ oder „Nein …“ beginnen. Wir bestärken nämlich hierzulande, während wir Konversation führen. Wiederum etwas, was man als perfekter MI-Spion wissen sollte. Akzentlos alleine reicht nicht aus, Darling. Der Freund des US-Amerikaners sagte dann als Reaktion: „Stop saying yes or no!“ Ja, das finden wir auch.

Nein, wie? Ich fahre jetzt rasch und schnell nach Pressbaum (im Zug gibt es zum Glück wenig Geisterfahrer, höchstens Geistersitzer), um mir dort eine Vegan freundliche Zahnpasta für meinen Ragusa-Urlaub zu besorgen.

Schönen Abend und einen linden Wochenstart!

B.