Kaffee am See im Clash

Nicht nur der typische Wiener der letzten Woche bringt mich zum Schmunzeln.

Im See-Restaurant im Mostviertel saßen hinter mir heute drei junge Leute Anfang zwanzig aus verschiedenen Ländern.

….

Die Engländerin ruft den Kellner:

I would like a vanilla latte!

– What?

Vanilla latte, please.

– This is not a Starbucks.

….

Da war sie etwas astounded (gerade in meinem Buch entdeckt). 🙂

Ein schönes Wochenende! B.

Die Kunst, ohne Akku zu kommunizieren

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Als ich las, dass aktuell täglich weniger Wörter als früher gesprochen werden, war ich nicht überrascht. Ein Blick auf unser Verhalten im öffentlichen und privaten Raum genügt, um diese These bestätigt zu sehen. Auch ich interagiere mehr, wenn ich kein Internet bzw. keinen Akku habe. Es geht nicht nur uns so. Das ISCTE der Universität Lissabon hat kürzlich herausgefunden, dass die Portugiesinnen und Portugiesen vor zehn Jahren mehr Freundschaften eingingen.

Wann wird mit Kindern gesprochen?

Leider bedeutet unser Schweigen auch, dass seit vielen Jahren die Sprachkenntnisse der Kinder weiterhin abnehmen. Nicht nur mit den Eltern, sondern auch mit Geschwistern wird aufgrund von digitaler Ablenkung weniger gesprochen. Gerade die Interaktion mit Geschwistern spielt im Alltag der Kinder eine nicht zu unterschätzende Rolle. Der Wickelrucksack der Stadt Wien beinhaltet momentan die Information „Bildschirmfrei von 0-3“ – in Zukunft wird es noch mehr Initiativen in die Richtung geben.

Beschränkungen oder Verbote kommen oft ziemlich spät, wobei auch ich nicht per se immer dafür bin. Ich erinnere mich daran, Anfang zwanzig in Lissabon unten bei den Gleisen der U-Bahn geraucht zu haben und dass Busfahrer einfach aus dem Fenster rauchten. Damals waren es noch kaum Busfahrerinnen, Maria do Céu Nunes war allerdings schon 1988 als erste Frau zwischen Lissabon, Amadora und Algés unterwegs. In Palermo kannte ich etwa im Jahr 2010 die erste Frau, die Mutter eines Freundes, die diesen Beruf ausübte. 2026 wird man in Wien, Palermo oder Lissabon rauchend wahrscheinlich sogar im Gastgarten einige böse Blicke ernten, es wird selbstbewusster gehüstelt oder gefuchtelt – noch ein Vorteil, aufgehört zu haben. Sieht man Videos aus den Siebziger-Jahren zur Frage: „Schnallen Sie sich im Auto an?“, reagiert man vielleicht ähnlich verwundert, wie Menschen in ein paar Jahren zum Thema Bildschirmzeit für Kinder, ehrlicherweise aber auch Erwachsene, reagieren werden.

Ich kenn dich gar nicht, Bruder

Im Autobus kann man, wenn man nicht auf das Handy blickt, sehr gut Menschen beobachten. Letzten Montag erklärte ein französischsprachiger Vater innerhalb von drei Bushaltestellen der Tochter im Volksschulalter alle deutschen Fälle mit Hilfe bunter Stifte und eines Käsezettels auf Französisch, kurz vor dem Aussteigen konnte sie alle Artikel in die verschiedenen Fälle setzen. Wir kennen leider auch – Stichwort Brennpunktschule – (Brennpunkt auch ohne Zigarettenbrandlöcher, ich werde gleich melancholisch) viele Negativbeispiele, wo Lernen nicht funktioniert, wie es soll.

Doch es gibt auch gute Neuigkeiten. Britischer Humor wird in bilingualen Kindergärten früh vermittelt. Vor einigen Tagen stieg eine Kindergartengruppe in den bereits sehr vollen Bus ein. Auf Englisch sagte die Pädagogin: „Schau, ich habe so viel Platz, ich könnte einen Tanz aufführen. Tu ich aber nicht.“ „Warum?“, fragte das Kind. „Weil du müde bist?“ „Ja, das ist der Grund!“, sagte sie trocken und die anwesenden Eingequetschten lächelten.

Manche Gespräche entpuppen sich als ungewollt komisch. Zwei Mädchen um die fünfzehn unterhielten sich in der U-Bahn. Das eine erzählte von einem Verehrer – wie meine Großmutter gesagt hätte. „Er so: Eine Frage, liebst du mich? Ich: He Bruder, ich kenn dich gar nicht richtig.“ Ich weiß nicht, ob die Ansprache Bruder in dem Fall die beste ist. Falls jemand Fremdes sie also unterwegs ansprechen sollte, dem vielleicht langweilig war, weil er keinen Akku mehr hat, könnten sie entweder dem „Live-Gespräch“ eine Chance geben oder einfach „Ich kenn dich gar nicht, Bruder“, (geht problemlos genderübergreifend) antworten.

Sehr erheiternd ist es auch, wenn Dinge wortwörtlich genommen werden. Ein Kind wurde unterwegs gefragt: „Hast du einen blauen Fleck?“ „Nein, einen blutigen, dunkelroten Fleck.“ Na dann!

Schließen möchte ich für heute mit den Worten des Schriftstellers Piontek: „Das letzte Wort hat die Sprache.“

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NEUES: Das Zitronenblatt bleibt gemeinsam mit dem Sprachgemisch im Standard natürlich meine Kolumne zum Thema Sprache.

Alle anderen literarischen/fiktionalen Beiträge findet ihr ab jetzt auf https://runningwords.com/, wo ich in verschiedenen Sprachen (hauptsächlich auf Deutsch) jede Woche einen Text veröffentliche. 🙂

Alles Liebe
BD

Eine Frage der richtigen Länge

Sonntag Nachmittag. Ein angeheitertes Paar Anfang zwanzig unterhält sich mit einem Drink in der letzten Reihe der Straßenbahn über die Band des jungen Mannes:

„Wir werden uns jetzt umbenennen.“
-„Ja, ich weiß, ich hab das Reel gesehen.“
„Hast es ganz angeschaut?“
-„Ja.“
‚Wow, super, das dauert nämlich zwei bis drei Minuten.“

Und, habt ihr diesen Text fertig gelesen oder nach dreißig Zeichen entnervt das Fenster geschlossen?

Hallo?

Von diversen Models und halbherzigen Wander-Motivationen eines Kindes bis hin zu „tipsy“ Großmüttern

5G: Gefühlt

In einem Interview las ich kürzlich die Aussage „In der Branche ist es sogar sehr gefragt, dass man divers ist.“ Ein eigentlich absurder Satz. Gemeint war übrigens die Modebranche. Diversität (auch Diversity) heißt, sich in bestimmten (in verschiedenen Konzepten festgelegten) Bereichen zu unterscheiden. Hier gibt es feste und variable Dimensionen, wobei sie nicht immer voneinander abgrenzbar sind. Dazu zählen auch Alter, Wohnort, sozial-ökonomische Bedingungen und vieles mehr. Divers als Modewort? Die Zeit der schnellen Videos und Klick-Überschriften mit KI-Zusammenfassungen lässt meist keinen Platz für lange Ausführungen, seien es geschriebene oder gesprochene. Doch bevor man mit Begriffen um sich wirft, braucht es den Dialog zu Begrifflichkeiten und in weiterer Folge auch zu unseren Werten.

Ein linguistischer Exkurs dazu: „Diverse Personen“ oder „diverse Beispiele“ bedeutet auf Deutsch (und auch Italienisch, aus dem Latein stammend) ursprünglich sowohl „verschiedene“ als auch schlicht „einige“, weshalb man hier auch beim Übersetzen aus dem Englischen auf die richtige Interpretation achten sollte.

Wie aufgeschlossen sind wir wirklich? Und wie aufgeschlossen sollen oder dürfen wir sein? Lassen wir einige „Stereo-Typen“ aus der Fantasie aufeinander treffen: Wird ein Herr der Reinigungsfirma, der kein Englisch spricht, die gut verdienende Expat-CEO, die nur Englisch spricht, heiraten? Schließt die Wandergruppe der sportlichen 30-jährigen auch eine 60-jährige Dame aus der Nachbarschaft mit ein, wenn sie das wünscht? Vielleicht, wenn das Schicksal mitspielt. Die Statistik sagt aber etwas anderes.

Es ist schön, in den Medien viele verschiedene Familienmodelle zu sehen. Aber realistisch sind die Bilder trotzdem noch nicht. Vor allem die Werbung zeigt grinsend eine Welt, in der ältere Frauen weiterhin nur für Blasenentzündungsprodukte oder in Oma-schenkt-dir-Schokolade-Rollen gezeigt werden. Zeige ich Diversität, muss ich außerdem auch Menschen zeigen, die mit Akzent Deutsch sprechen. Sie sind genauso Österreich wie jene Person, die immer noch im Dialekt spricht und die, die im Bus denglischt oder in Gebärdensprache im Kaffeehaus tratscht.

Mein Plädoyer dafür, Aufgeschlossenheit und Vielfalt weniger zu simulieren und mehr zu leben. Und auch darüber nachzudenken, was Diversität für uns und auch für die Arbeitswelt wirklich bedeutet.

6G: Gesagt

Sager habe ich zwei sehr erheiternde dieser Tage hören dürfen:

  1. Fünfjähriges Kind, Wanderweg, Mönichkirchner Schwaig:
    „Ich kann Urlaube machen. Aber ohne Wandern!“ Die Eltern versuchten – ein wenig keuchend aufgrund der Steigung – mit Argumenten wie „Muckis, Kondition“ und „gestern hast auch gemault“, das Kind zu motivieren, was selbstverständlich keinerlei Wirkung zeigte. Ihre leicht verzerrten Gesichtsausdrücke verrieten, dass sie sich eigentlich selbst gerade motivieren mussten. Nach der Steigung wartete aber eine lustige Schaukel mit Kuhglocken (der ich selbst nur schwer widerstehen konnte) auf die Familie – die Rettung, wenn die Vorteile des Zukunfts-Ich, wie Muskeln und eine tolle Kondition, doch noch nicht gesehen werden.

    Etymologisches PS: Warum eigentlich Mönichkirchen und nicht Mönchkirchen? In der Kirche auf dem Hauptplatz liest man, dass der Missionar Minicho vom Erzbischof aus Salzburg geschickt wurde und Namensgeber der „Minicho Kirche“ war, die bereits 860 an diesem Platz stand. Daher stammt die Ortsbezeichnung Mönichkirchen.

  2. . Junge Frau Anfang zwanzig, Straßenbahnstation, zu Mittag am Pride-Wochenende, mit einer Flasche Sekt in der Hand zu ihrer Freundin:
    „Dann ruf‘ ich jetzt meine Grandma an, die wahrscheinlich auch schon tipsy ist. Problematic woman. Haha, na Spaß.“

Na dann, Prost und Cheers!