Zitronenblatt 🍋. Wie die Kolumne zu ihrem Namen kam

Ein Auszug aus meinem Buch „PIL“ 🐘:

Ich träume noch immer davon, zu rauchen. Mit schlechtem Gewissen. Als ich noch rauchte, träumte ich nie davon.
Doch auch von meinen Pflanzen, die ich trocken sah und goss, träumte ich, träumte mir vielleicht. Denn in der Nacht flüsterten sie, schüchtern, zärtlich: Wir sind durstig, die sommerlichen Temperaturen trocknen uns aus.

Ich gieße sie.
Sie sind glücklich. Blühen, wachsen, wachsen, sprießen, leuchten mich grün an.


Mein Bruder Mats und ich standen auf meinem Balkon, setzten den Zitronenkern in eine aufgeschnittene Colaflasche, machten uns mit Erde schmutzig. Die sizilianischen Jugendlichen auf der Straße riefen einander belanglose und belangvolle Dinge zu.
Bald darauf ragte ein schüchterner Spross aus der Erde, leicht nach links geneigt, sah sich neugierig um, voll Freude, zu leben. Ein Jahr später kam er, in Größe einer Topfpflanze, mit ins Flugzeug nach Wien. Begeistert rochen Stewardessen und Bodenpersonal an ihm, griffen das Pflänzchen an, Limone, Zitronenbäumchen, sagte ich. Ich trug es in einer Einkaufstasche im Handgepäck mit mir, sodass es jeder sehen konnte. Niemanden kümmerte, dass es nicht erlaubt war.


Nun stehst du bei mir in Wien, ragst an die Decke und breitest dich in alle Richtungen aus. Bist gewachsen, wie ich.

Neue Blätter 🍋❤️

Gleichzeitigkeit

Gleichzeitigkeit

20160720_140151.jpgVento d’estate. Io vado al mare, voi che fate?

Vor Kurzem, genauer gesagt vor etwa einer Woche, war ich auf einem Bauernhof in Obervierschach. Daneben eine Kuh. Wir gingen durch den Zauberwald und bei der Lichtung sprang ein Reh etwas erschrocken aber auch fröhlich den Weg hinauf. Dann begann es zu regnen. Vor dem Quartier eine liebe flauschige Katze mit rundlichem Gesicht.

Nun bin ich an der Amalfi-Küste und die räumliche Distanz ist gleichzeitig auch eine innere. Als wäre das Ich in Südtirol ein anderes Ich. Schwer zu beschreiben. Schwer zu begreifen.

Und trotz dieser Entfernungen trage ich beides in mir: alpiner Bauernhof und südliches Leben. Kindheit. Frühes Erwach(s)en in Lissabon. Sizilien.

Auch wenn die gleiche Sprache gesprochen wird, die gleichen Medien konsumiert werden, so erscheinen mir doch Nord- und Süditalien als zwei unterschiedliche Länder. Dialekt, Gastronomie, soziale Interaktion, Züge, Klima.

Eine weite Reise.

So viel gäbe es noch zu berichten… von den Lauben und den Bergen Bozens, dem Winter- und Sommerweg Sissis entlang des Flusses in Meran, den engen Gassen und bunten Häusern, der Arena Veronas und dem wilden Treiben, der stechenden Sonne, den wunderschönen, großen kühlen Kirchen Neapels.

Alleine die heutige zweistündige Fahrt mit der S-Bahn (von einer verlassenen Vorstadthaltestelle Neapels bis nach Vietri, wo dem Besucher ohne Vorwarnung das unglaubliche Panorama präsentiert wird…) wäre eine eigenes Kapitel wert.

Als wäre es eine lange Zeit, die ich mich auf Reisen befinde, sind es doch nur neun Tage. Das mag an den vielen besuchten Orten, vor allem aber auch an mir selbst liegen. 

Spital, Millstatt, Lienz, Innichen (Obervierschach), Eppan, Bozen, Meran, Gardasee, Verona, Neapel, Vietri.

Vietri sul Mare, mit einem fantastischen Blick auf das nun schwarze Meer, darüber der große dunkelgelbe Mond, Sterne und Mars.

In Gleichzeitigkeit.

Der Sternensee

Der Sternensee

20160712_181940desiderio

Am Millstätter See ins kühle Wasser gesprungen.

Mitternacht am Balkon… dem Plätschern des Baches und der Stille gelauscht. Eine Sternschnuppe!

Südtirol, Kuh und Katz, ein Reh auf der Lichtung, Dolomitenspitzen und Vergissmeinnicht.

Regen und Sonne spielen Fangen. Ihre Zuschauer: die Wolken und wir.

Es wird Abend.